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Türkei: Fernsehduell zwischen Yıldırım und İmamoğlu

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Akif Sahinhttps://www.akifsahin.de
Akif Sahin hat über 20 Jahre in der muslimischen Bildungs- und Jugendarbeit mitgewirkt. Er ist Gründer und Leiter von "Public Muslim". Aktuell arbeitet er als Experte für Suchmaschinenmarketing (SEO/SEA) bei einem Hamburger Träger der freien Jugendhilfe.

Ich mache es kurz: Das sehnlichst erwartete Fernsehduell zwischen dem CHP-Kandidaten Ekrem İmamoğlu und dem AKP-Kandidaten Binali Yıldırım war am heutigen Sonntag (16. Juni 2019) langweiliger Natur. Die Fragen bewegten sich eher in einem moderaten Rahmen und das Format ließ eigentlich keine direkten Diskussionen zwischen den Kandidaten zu. Einen klaren Gewinner gibt es aus meiner Sicht dennoch.

Sowohl von seiner Haltung, seiner Diktion und seinem Gesamtauftritt her, wirkte Ekrem İmamoğlu einfach souveräner, nahbarer und vor allem klarer in seinen Ansagen. Binali Yıldırım wirkte hingegen eher wie von Vorgestern. Beispielhaft sei hier auch seine Ankündigung für ein freies Internet genannt, wo er auf einer Anzeigetafel zeigt, was die Jugendlichen alle mit kostenlosem Internet anfangen könnten. Teilweise war es so, als karikiere sich Yıldırım selbst bei seinen Ankündigungen.

Fernsehauftritt tut AKP-Kandidaten Yıldırım nicht gut

Dabei war von Anfang an klar, dass dem Kandidaten der AKP ein Fernsehauftritt eher nicht guttun würde. Selbst AKP-Experten haben hinter den Kulissen davon abgeraten, sich in den direkten Vergleich mit İmamoğlu einzulassen. Tatsächlich hat nur eine Minderheit daran geglaubt, dass Yıldırım wirklich punkten kann. Der Mainstream-Politiker gilt als erfahren und kann durchaus auch witzig sein und energisch. Allerdings hat das Format gar keine Möglichkeiten gegeben, diese Stärken auszuspielen. Im Gegenteil, die möglichen Stärken wurden eher zu Schwächen.

İmamoğlu konnte hingegen fachlich glänzen und Angriffe auf die AKP-Politik in Istanbul und in der gesamten Türkei fahren. Tatsächlich ließ sich Yıldırım von seinem Gegner immer wieder in die Defensive drängen. Zwar versuchte Yıldırım mit bekannten Vorwürfen erneut Angriffe auf die Person von İmamoğlu zu fahren, jedoch scheiterte dies an der klaren Haltung des Kandidaten der CHP. Auf der anderen Seite machte sich Yıldırım selbst lächerlich, in dem er immer wieder den Kandidaten der CHP unterbrach und so vor allem darstellte, dass er einer ordentlichen Diskussion nicht gewachsen ist.

In einer Woche findet die Wiederholung der Istanbul-Wahl statt

In einer Woche dürfte dann feststehen, wer die Wahl in Istanbul für sich entscheidet. Aus meiner Sicht hat heute İmamoğlu gewonnen und sich dabei auch im Bereich der Unentschlossenen weitere Unterstützung gesichert. Was vor allem im Gedächtnis bleiben wird, sind die Ankündigungen des CHP-Kandidaten im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit, für Frauenrechte und das Flüchtlingsproblem in Istanbul. Gerade das Flüchtlingsproblem (Syrer) bietet auch Sprengstoff für den gesellschaftlichen Frieden, welches İmamoğlu angesprochen hat. Auch seine Ansagen in Richtung der kurdischstämmigen türkischen Bürgerinnen und Bürger in Istanbul waren von freundschaftlicher Natur geprägt.

Die Ansagen zeigten vor allem, dass die Probleme der Bevölkerung von İmamoğlu besser wahrgenommen wurden und er auch an echten Lösungsvorschlägen gearbeitet hat, während Yıldırım eher für ein „weiter so“ stand. Auch alles, was an neuen Ideen vorgestellt wurde, war zum einen vom CHP-Kandidaten geklaut, zum anderen stellte İmamoğlu die richtige Frage: „Ihr wart seit über 15 Jahren an der Macht, warum seid ihr das Problem bisher nicht angegangen?“

Mehrere seriöse Umfrage-Institute in der Türkei sehen aktuell beide Kandidaten – je nach Verteilung der unentschlossenen – mit zwei Punkten vorne. Entsprechend ist der Ausgang der Wahl am kommenden Sonntag noch offen. Das Fernsehduell dürfte jedoch – auch weil es landesweit übertragen wurde – einen erheblichen Einfluss auf das Wahlverhalten am 23. Juni 2019 nehmen.

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