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Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus gestartet

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Akif Sahinhttps://www.akifsahin.de
Akif Sahin hat über 20 Jahre in der muslimischen Bildungs- und Jugendarbeit mitgewirkt. Er ist Gründer und Leiter von "Public Muslim". Aktuell arbeitet er als Experte für Suchmaschinenmarketing (SEO/SEA) bei einem Hamburger Träger der freien Jugendhilfe.
Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus - Müssen über Hass sprechen. Rassismus ist Gewalt im Kopf
Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus – Müssen über Hass sprechen. Rassismus ist Gewalt im Kopf

Mord an Marwa el-Sherbini jährt sich zum zehnten Mal

In diesem Jahr jährt sich der Mord an Marwa el-Sherbini zum zehnten Mal. Ich erinnere mich noch wie gestern an diese Tage. Mit einem breiten Netzwerk von Muslimen haben wir uns als Blogger und Personen des öffentlichen Lebens ausgetauscht. Wir wollten wissen, wie wir mehr Gehör finden können, um den Mord an Sherbini öffentlich zu machen und die öffentliche Aufmerksamkeit für Islamfeindlichkeit zu schaffen.

Marwa el-Sherbini wurde am 1. Juli 2019 während einer Strafverhandlung im Landgericht Dresden von einem Rechtsextremen ermordet. Der Mann hatte sie angefeindet, beleidigt und schließlich im Gerichtssaal umgebracht. Als der Ehemann von Sherbini versuchte sie zu retten, hat ein Polizist diesen für den Angreifer gehalten und ihn angeschossen. Die deutsche Öffentlichkeit nahm von dieser Tat keine Kenntnis. Medien haben geschwiegen und die Politik war verstummt.

Der 1. Juli steht für den Tag gegen antimuslimischen Rassismus

Seitdem steht der 1. Juli für den Tag gegen antimuslimischen Rassismus. Aktivistinnen und Aktivisten haben immer wieder auf das Opfer und den Mord an el-Sherbini aufmerksam gemacht und eine Gegenöffentlichkeit geschaffen. Heute ist der Tag gegen antimuslimischen Rassismus präsenter, weil er organisierter und zentraler gestaltet wird. Heute steht der Tag gegen antimuslimischen Rassismus, im Andenken an Marwa el-Sherbini für eine solidarische, demokratische, freiheitliche und multireligiöse Gemeinschaft.

#HassHatKeinHerz – so lautet das Motto der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus, die heute mit Veranstaltungen in ganz Deutschland anlässlich des Tages gegen antimuslimischen Rassismus (1. Juli 2019) gestartet ist. Mehr als 32 Organisationen machen Hass und (antimuslimischen) Rassismus mit Podiumsdiskussionen, Workshops, Straßen- und Onlineaktionen zum Thema. Eine begleitende Plakatkampagne in fünf deutschen Städten wirbt dafür, das Schweigen zu Islam- und Muslimfeindlichkeit zu brechen.

Bekenntnis gegen Rassismus und Hass

Muslime und Musliminnen werden nicht nur durch islamfeindliche Debatten und antimuslimische Diskurse im täglichen Leben und im Netz verletzt. Anfang Februar 2019 wurden in Berlin innerhalb kurzer Zeit mehrere Kinder und Jugendliche Opfer antimuslimischer und rassistischer Übergriffe. Erst im März 2019 wurden in Christchurch (Neuseeland) 50 Menschen bei einem terroristischen Anschlag aus islam- und muslimfeindlichen Motiven ermordet. Übergriffe auf muslimische Einrichtungen und Musliminnen sind Alltag in Deutschland. Islam- und Muslimfeindlichkeit haben Konjunktur.

Mit der Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus soll ein maximal menschliches Bekenntnis gegen Rassismus und Hass im Allgemeinen und antimuslimischen Rassismus im Besonderen gesetzt werden. Ziel ist es, die breite Öffentlichkeit für das Thema antimuslimischer Rassismus zu sensibilisieren und aufzuklären. Die Aktionswoche wird koordiniert von CLAIM, der Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit.

Zeit sich gegen Hass, der sich gegen alle Minderheiten richtet, zu stellen

„Antimuslimische Einstellungen und Rassismus breiten sich in unserer Gesellschaft immer stärker aus und gefährden nicht nur Musliminnen, sondern letztlich die ganze demokratische Gesellschaft“, sagt Nina Mühe von CLAIM. „Wir sind in großer Sorge, da wir seit Jahren eine islamfeindliche Grundstimmung beobachten, die von vielen Seiten instrumentalisiert wird. Wir haben es hier nicht mit der Meinung Einzelner zu tun – das zeigen nicht nur Studien, sondern die beinahe täglichen verbalen und tätlichen Übergriffe auf Musliminnen und Menschen, die als Musliminnen wahrgenommen werden.“

Es fehle an einer ernsthaften Debatte und die Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus sei ein erster Schritt, um stärker darauf hinzuweisen. Die bundesweiten Veranstaltungen und Aktionen würden den Menschen die Möglichkeit geben, „mehr zu erfahren, sich zu begegnen und Barrieren und Stereotype abzubauen.“ Man freue sich, dass auch in diesem Jahr zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen bei der Aktionswoche mitmachen. „Es ist Zeit, den Hass, der sich gegen alle Minderheiten – gegen Juden, Sinti und Roma, gegen People of Color, gegen Musliminnen oder gegen LGBT- Menschen- entlädt, zu thematisieren, sich zu solidarisieren und breite gesellschaftliche Allianzen zu bilden“, sagt Mühe und ruft zum Handeln und zur Beteiligung auf.

Breites Bündnis steht hinter der Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus

Hinter dem 1. Juli und der Aktionswoche (24. Juni – 1. Juli 2019) steht ein breites, wachsendes zivilgesellschaftliches Bündnis von Initiativen, Kulturschaffenden, Migrantenorganisationen, Netzwerken, Wohlfahrtsverbänden, Moscheen und Aktionsgruppen. Neben Veranstaltungsformaten wie Podiumsdiskussionen, Workshops und Diskussionen gibt es zahlreiche Aktionen wie etwa „Gemeinsam Schwimmen im Prinzenbad (Berlin)“ sowie Fotokampagnen aus der Zivilgesellschaft.

Diverse Umfragen und Studien belegen, dass sich islamfeindliche und antimuslimische Einstellungen in Deutschland seit Jahren auf einem hohen Niveau bewegen. Im Jahr 2017 sind laut Bundesinnenministerium (BMI) 1.075 islamfeindliche Straftaten begangen worden. Im Jahr 2018 wurden laut BMI 910 islamfeindliche Straftaten gemeldet; die Zahl der dabei Verletzten hat deutlich zugenommen und lag 2018 bei 74 Personen (2017 waren es noch 56). Es ist davon auszugehen, dass die offizielle Statistik dabei noch nicht das wahre Ausmaß der Islam- und Muslim-feindlichkeit abbildet.

Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus

24. Juni – 1. Juli 2019

Mehr Informationen unter www.allianzgegenhass.de

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