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Nach rechtsextremem Terror in Halle: Reaktionen von Muslimen

Der rechtsextreme und antisemitisch motivierte Anschlag in Halle, mit zwei Todesopfern, hat auch die muslimische Community in helle Aufruhr versetzt. Die Community zeigt sich von der Tat schockiert und verurteilt die Gewalt und den Hass, der gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger am höchsten Gedenktag Jom Kippur stattfand. Viele Muslime riefen entsprechend zu Solidaritätsaktionen mit jüdischen Gemeinden auf. Einige handelten diesbezüglich auch sehr schnell.

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Akif Sahinhttps://www.akifsahin.de
Akif Sahin hat über 20 Jahre in der muslimischen Bildungs- und Jugendarbeit mitgewirkt. Er ist Gründer und Leiter von "Public Muslim". Aktuell arbeitet er als Experte für Suchmaschinenmarketing (SEO/SEA) bei einem Hamburger Träger der freien Jugendhilfe.

So hat die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales der Senatskanzlei Berlin, Sawsan Chebli (SPD), zu einer spontanen Solidaritätsaktion vor der Neuen Synagoge in der Hauptstadt aufgerufen. Dem Aufruf folgten mehrere Hundert Berlinerinnen und Berliner. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erschien ebenfalls. Chebli und Merkel sangen mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde ein Friedenslied. Die Aktion wurde von der Kampagne #WirStehenZusammen in Windeseile auf die Beine gestellt. Die Bundeskanzlerin war, wie man auch unten im Video sieht, sichtlich sehr ergriffen.

Die Wissenschaftlerin Aylin Karabulut, die vor allem im Bereich bildungsbezogene Ungleichheitsforschung auf strukturelle Defizite und rassistische Benachteiligungen in Deutschland aufmerksam macht, brachte auf den Punkt, was viele Musliminnen und Muslime über die Geschehnisse denken, aber kaum aussprechen können.

Die Filmemacherin und Journalistin Melina Borčak machte auch auf den anti-muslimischen Rassismus des Täters aufmerksam. Sie bemängelte, dass angesichts eines getöteten Döner-Imbiss-Besuchers zu wenig über das weitere Motiv, den anti-muslimischen Rassismus, gesprochen und berichtet werde.

Der Publizist und Journalist, Eren Güvercin, rief zu echten Solidaritätsaktionen auf, statt einfach nur auf Sonntagsreden und Pressemitteilungen zu hören. Man müsse vor Ort, Seite an Seite mit der jüdischen Gemeinde ein klares und unmissverständliches Zeichen setzen.

Tatsächlich begnügten sich die meisten muslimischen Organisationen und Verbände mit einfachen Pressemitteilungen, die Solidarität ausdrücken und die Gewalt verurteilen. Eine Ausnahme bildet da die SCHURA Niedersachen. Die SCHURA und der Landesverband DITIB Niedersachsen rufen zur Teilnahme an einer Mahnwache in Hannover auf. Das Motto lautet: „Zusammen gegen Antisemitismus und rechten Terror“

Kritik gab es auch an der Erklärung von Verteidigungsministerin und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK). Diese hatte in einer Mitteilung von einem „Alarmzeichen“ gesprochen. Dies wurde auch von muslimischen Kommentatoren scharf verurteilt.

Eine weitere Kritik betrifft die Berichterstattung zum Fall. So wird der Täter bereits in diversen Medien als „Einzeltäter“ bezeichnet. Das deutet auf einen isolierten und alleine handelnden Mann hin, was von vielen Muslimen bezweifelt wird. Eine gute Zuordnung hierzu gab es von Prof. Dr. Hajo Funke im ZDF.

Insgesamt ist die heterogene muslimische Community von der Tat sehr aufgewühlt. Solidarität mit der Jüdischen Gemeinschaft wird gefordert, ebenso wie mehr Schutz für religiöse Gebäude und ein entschiedeneres Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegenüber Bedrohungen von Rechts. In den gleichen Ton schlagen auch die muslimischen Verbände ein, die sich gestern einen Wettlauf um die härteste und schärfste Verurteilung der Tat bemüht haben. Gleichzeitig haben sich mehrere Funktionäre auf den Weg nach Halle gemacht.

Islamratsvorsitzender Burhan Kesici besuchte die Synagoge in Halle und führte Gespräche mit Gemeindemitgliedern und Verantwortlichen.

Zentralratsvorsitzender Aiman Mazyek machte sich heute nach eigenen Angaben auf den Weg nach Halle, um seine Solidarität zu bekunden.

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