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Salafismus: Welche Bücher ich empfehlen würde

Welche Bücher sollte man eigentlich beim Thema Salafismus gelesen haben, um zu verstehen, worum es eigentlich genau geht? Eine kleine Liste als Überblick.

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Akif Sahinhttps://www.akifsahin.de
Akif Sahin hat über 20 Jahre in der muslimischen Bildungs- und Jugendarbeit mitgewirkt. Er ist Gründer und Leiter von "Public Muslim". Aktuell arbeitet er als Experte für Suchmaschinenmarketing (SEO/SEA) bei einem Hamburger Träger der freien Jugendhilfe.

Immer wieder werde ich gefragt, ob es Bücher gibt, die man als Einstieg für das Thema Salafismus nutzen kann. Die gibt es in unzähliger Menge, auch wenn der Forschungsstand zum Thema durchaus noch zu wünschen übrig lässt und quasi noch in den Kinderschuhen steckt. Allerdings haben diese Bücher oft das Problem, dass sie entweder zu stark auf ein genaues Thema fokussiert sind, zu wissenschaftlich aufgebaut sind oder zu populärwissenschaftlich daher kommen. In jüngster Zeit haben wir es in vielen Fällen auch mit pseudo-wissenschaftlichen Büchern zu tun, die auf starke Titel und populistische Töne setzen, statt auf seriöse Inhalte.

Wer sich einen ersten Eindruck und Überblick über das Thema verschaffen möchte, dem kann man nur zu dem 2016 erschienen Werk „Salafismus und Dschihadismus in Deutschland“ (Amazon-Partner Link) anraten. Dieses Buch gibt es auch in einer einfachen und günstigeren Fassung bei der Bundeszentrale für politische Bildung zu kaufen. Es ist einfach aufgebaut und gibt einen Überblick zu Ursachen und Dynamiken. Dazu kommen dann solche Themen wie Aufarbeitung von Anwerbestrategien der Szene, Motivationen von Salafisten, Handlungsempfehlungen für die Politik und wie Prävention sowie Deradikalisierung gelingen kann. Abzuraten ist hier vom letzten Kapitel, weil es da eher um Wissenstransfer geht und langweilige Evaluationen angeboten werden.

Salafismus: Wissenschaftlicher und journalistischer Einstieg

Wer sich mit dem Phänomen wissenschaftlich auseinandersetzen und dafür einen Einstieg braucht, dem empfehle ich das 2014 von Hazim Fouad und Behnam Said herausgegebene Werk „Salafismus“ (Amazon-Partner Link). Es bietet einen soliden wissenschaftlichen Einstieg in das Thema von Experten aus Universitäten, Sicherheits-, Präventions- und Deradikalisierungsarbeit. Die fachliche Expertise ist sehr gut gegeben. Ein bisschen wehmütig ist die erste Auflage allerdings schon, weil anscheinend das Lektorat nur unzuverlässig geführt wurde. Die zweite Auflage ist diesbezüglich eher zu empfehlen.

Einen ganz anderen und eher journalistischen Einstieg in das Thema bietet Ulrich Krätzer in seinem Werk „Salafisten: Bedrohung für Deutschland?“ (Amazon-Partner Link), ebenfalls aus dem Jahr 2014. Auch wenn der Titel populistisch anmutet, der Autor hat sich intensiv und erstklassig mit dem Thema auseinandergesetzt und bringt verschiedenste Perspektiven und Einblicke in das Thema mit. Ein Hintergrund-Gespräch mit meiner Wenigkeit findet ebenfalls kurz Erwähnung.

Toprak, Ceylan und Kiefer sind Experten für Salafismus

Von den herausragenden Wissenschaftlern auf diesem Gebiet gibt es aus meiner Sicht immer nur drei Personen, die mit ihren Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht haben und auch aktuelle Entwicklungen begleiten.

Da ist zunächst der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Ahmet Toprak, der aus meiner Sicht viel zu wenig Beachtung im gesamten Feld gefunden hat, was vermutlich auch an seinen teilweise populistischen Thesen liegt. Toprak ist jedoch unbestritten eine Koryphäe auf dem Gebiet der Untersuchung und Einordnung von muslimischen Jugendkulturen und hat verschiedenste Bücher zum Themenfeld veröffentlicht. Am 25. Oktober erscheint beispielsweise wieder etwas populärwissenschaftliches: Muslimisch, männlich, desintegriert: Was bei der Erziehung muslimischer Jungen schiefläuft (Amazon-Partner Link). Wichtig ist jedoch hier vor allem das 2017 herausgegebene und 2019 neu aufgelegte Buch: „Salafismus in Deutschland: Jugendkulturelle Aspekte, pädagogische Perspektiven„.

Daneben spielen vor allem Prof. Dr. Rauf Ceylan und Dr. Michael Kiefer eine besondere Rolle im Themenfeld. Ihre Werke widmen sich sowohl aus der religions-soziologischen Perspektive als auch der präventiven Arbeit an das Thema. Aufgrund ihrer Arbeitm, die nicht nur auf universitärer Ebene stattfindet, haben sich Ceylan und Kiefer einen besonderen Ruf erarbeitet und gelten als Experten auf dem Gebiet. Wichtige Titel sind hier: „Salafismus in Deutschland: Entstehung, Radikalisierung und Prävention“ (2014) (Amazon-Partner Link) sowie das 2017 veröffentlichte Werk „Radikalisierungsprävention in der Praxis: Antworten der Zivilgesellschaft auf den gewaltbereiten Neosalafismus„. (Amazon-Partner Link)

Klassiker sind für den Einstieg besser geeignet

Man sieht, dass es aus meiner Sicht keine neuen und guten Bücher auf dem Markt zum Thema gibt, sondern Klassiker aus dem Jahr 2014 eher dominieren. In den vergangenen Jahren hat es zwar mehr Forschung zum Themenfeld gegeben, aber der Einstieg über diese Werke bleibt eher fundamentaler Bestandteil. Neuere Bücher übersehen sogar aus meiner Sicht viel zu sehr bestimmte Entwicklungen, die einem Leser allein schon bei den aufgeführten Bänden sofort bewusst werden.

Ich habe diese Liste hier angelegt, um einen Überblick und Anregungen zu vorhandenen Werken zu geben. In der Zukunft wird diese Liste vermutlich weiter gepflegt und immer wieder mal neu aufgelegt werden. Empfehlungen für weitere Bücher oder auch Rezensionsexemplare nehme ich gerne entgegen.

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